Dunkle Sommersprossen

Leises Schlummern dringt aus dem Nest. Sanfter Atem. Wind der gähnend in die Augen bläst. Leises Schlummern, das dem ticken der Standuhr folgt. Blubberndes Schmatzen. Jenes Gefühl der Behaglichkeit. Ein Lächeln gleicht dem Auftauchen einer Haselmaus, die so sofort im Gebüsch verschwindet. Ein Strampeln, wie dem Wiegen der Butterblume im heftigen Wind . Glanz auf der Stirn, Lichter tanzen auf der Nase, kringelnde Reflexe auf dem Kinn. Dichte Wolken verhängen die Sicht.
Wohlige Wärme dringt aus dem Nest. Blaue Augen blicken hinab. Jeder Schmatzer bringt ein zaghaftes Lächeln hervor. Die Augen verengen sich, sanfte Falten umspielen die wässrigen Augen. Ab und An, nach kurzweiligen Ticken der Uhr umspielt eine Träne die Wange. Befeuchtet blasse Sommersprossen. Dumpfes Säuseln hallt am getränkten Stoff wieder. Krampfen und Kneifen, verzeihen und verschmerzen. Das Glucksen nimmt ab. Der Takt wird langsamer. Die Standuhr gibt den Rhythmus, dem keiner mehr folgt, an. Der Stoff kräuselt sich. Schneckenbewegungen sind erwacht. Finger suchen halt. Sie fühlen über den Stoff. Feuchtigkeit bremst die Bewegung. Augen verziehen sich zu Schlitzen. Lippen werden schmal und erscheinen blass. Die Sicht  gleicht dunklen Wolken. Einem See, übersäht mit Algen. Kein BLick auf den Grund. Ein weiteres Kneifen und die Algen treiben allmählich auseinander, die dunkle Wolke erhellt sich. Finger schreiten voran, kriechen über das Nest. Werden langsamer, erfühlen die Wärme. Sie schleicht sanft und wispernd über die Fingerkuppen und -knöcheln bis zum Handgelenk. Sommersprossen hüpfen durcheinander.  Strähnen wirbeln umher. Gänsehaut breitet sich aus. Über Hand und Arm ins Gesicht. Peitschend kriecht Wärme in den Körper. Pflanzt sich fort. In das Zentrum. Ein Summen erfüllt das Nest, hallt wieder. Dem Summen folgt ein Raunen. Das Glucksen ertönt. Wird lauter und folgt erneut dem Takt der Uhr.
Augen werden zu Schlitzen, rote Lippen biegen sich in die Höhe. Dunkle Sommersprossen erscheinen, schimmern und rekeln sich im Sonnenlicht. Tränen des Glücks kullern über Pausbacken und verschwinden im strahlenden Mund. Schmatzen und Glucksen durchströmt das Nest. Glühende Wärme eines gewobenen Tuchs umhüllt Körper und Seele. Schmatzend, strampelnd und strahlend wiegt das Geschöpf in den zärtlichen Armen der Mutter. Leises Seufzen schwirrt durch das Nest. Flüsternd ertönt trocken, mit vollkommener Sanftmut: „Du bist wie eine Sommersprosse: Plötzlich da, wunderschön anzusehen und immer ein Teil von mir.“.

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